Meeresschildkröten spielen eine wesentliche Rolle dabei, das Rote Meer gesund und voller Leben zu erhalten. Grüne Meeresschildkröten, auch bekannt als „Seekühe“, halten die Seegraswiesen gesund, die als Laichgebiete für Fische, deren Jungtiere und eine Vielzahl anderer wirbelloser Tiere wie Weichtiere und Krebstiere dienen, die am Anfang der Nahrungskette stehen. Echte Karettschildkröten ernähren sich von Korallen und Schwämmen und tragen dazu bei, das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Populationen aufrechtzuerhalten. Dieses Gleichgewicht hat sich als entscheidend für gesunde Korallenriffe erwiesen. Beim Schutz von Meeresschildkröten geht es also nicht nur um die Schildkröten selbst, sondern auch um den Schutz all der Lebensräume, die sie nutzen und an denen sich auch die Menschen erfreuen, wie die Korallenriffe. Eine gesunde Meeresschildkrötenpopulation hängt von uns ab und davon, wie wir die Ressourcen nutzen, die wir mit diesen Tieren teilen.
Was ist eine Meeresschildkröte?
Meeresschildkröten sind Meeresreptilien, die sich durch einen stromlinienförmigen Panzer, lange Flossen und einen nicht einziehbaren Hals auszeichnen. Wie alle Reptilien haben sie Lungen (müssen also zum Atmen an die Oberfläche kommen) und legen ihre Eier an Land ab. Von vielen als lebende Dinosaurier betrachtet, erschienen Meeresschildkröten vor mehr als 100 Millionen Jahren auf der Erde und schwimmen seitdem in unseren Ozeanen. Seit ihrem ersten Erscheinen haben sie sich praktisch nicht verändert; allerdings überleben von den 100 Schildkrötenarten, die anhand von Fossilienfunden beschrieben wurden, heute nur noch 7. Meeresschildkröten haben eine lange Lebensspanne, aber ihr langsames Wachstum, das späte Erreichen der Geschlechtsreife und die geringe Fortpflanzungsrate machen sie extrem anfällig für jegliche Form der Ausbeutung. Im vergangenen Jahrhundert sind die Meeresschildkrötenpopulationen weltweit drastisch zurückgegangen, hauptsächlich aufgrund unhaltbarer Fischerei (für Verzehr und Leder), aber auch durch unbeabsichtigten Beifang in Fischereigeräten, rücksichtslose Küstenbebauung und Meeresverschmutzung.
Im ägyptischen Roten Meer kommen vier Schildkrötenarten vor: die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) und die Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata), die an der Küste nisten und fressen; die Lederschildkröte (Dermochelys coriacea), von manchen als sanfter Riese bezeichnet, die heutzutage nur noch selten gesichtet wird, und die Bastardschildkröte (Lepidochelys olivacea), die kleinste aller Schildkrötenarten, die sich bevorzugt fernab der Küste aufhält und wie die Lederschildkröte nur selten zu sehen ist. Eine fünfte Art, die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta), bekannt für ihren großen Kopf, wird normalerweise im Gulf von Aden gesichtet, erreicht aber selten das ägyptische Rote Meer.
Derzeit führt die Weltnaturschutzunion (IUCN) Lederschildkröten und Echte Karettschildkröten als vom Aussterben bedroht, Grüne Meeresschildkröten und Unechte Karettschildkröten als stark gefährdet, während die Bastardschildkröten als gefährdet eingestuft sind.
Im Roten Meer resultieren viele Bedrohungen für Meeresschildkröten aus rücksichtsloser Küstenbebauung, die Niststrände und Nahrungsgründe wie Seegraswiesen und Korallenriffe zerstört; künstlicher Beleuchtung an den Hauptniststränden, die sowohl nistende Schildkröten als auch frisch geschlüpfte Jungtiere desorientiert; Müll und Plastiktüten, die fälschlicherweise verschluckt werden können, was zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führt; Wasserverschmutzung, die häufig mit Krankheiten wie dem Fibropapillom-Tumor in Verbindung gebracht wird; unverantwortlichem Ankern, das sowohl Seegraswiesen als auch Korallenriffe zerstört; Schnellbooten und Jet-Skis, die Meeresschildkröten schwer verletzen und zum Tod führen können; sowie Beifang, insbesondere bei industriellen Schleppnetz- und Ringwadenfischern.
… all diese Widrigkeiten für ein so friedlich aussehendes Geschöpf. Zum Schutz der Tiere hat das Red Sea Turtle Project Verhaltensregeln für den Fall einer Begegnung mit einer Schildkröte entwickelt.