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Die Netze müssen weg

calendar_monthMai 05, 2011

Die Netze müssen weg

Seit dem ägyptischen Volksaufstand, der am 25. Januar begann, wurde viel erreicht – mehr als man je erwartet oder für möglich gehalten hätte: Das ägyptische Volk hat sich erhoben und die Symbolfiguren von Korruption, Tyrannei und Unterdrückung gestürzt; es hat ein 30 Jahre altes Regime zu Fall gebracht, das viele für unbesiegbar hielten. Um einen echten Wandel herbeizuführen, reicht die Beseitigung der Symbolfiguren jedoch nicht aus. Das verrottete System, das sie etabliert haben und das den unmittelbaren Gewinn einiger weniger auf Kosten des kollektiven Nutzens der Nation in den Vordergrund stellte, muss in allen Sektoren gestürzt werden. Am Roten Meer haben wir jahrzehntelang unter dieser unnachhaltigen, willkürlichen Politik gelitten. Der Gemeinschaft des Roten Meeres ist es zwar gelungen, vielen Vetternwirtschaft-Vorschlägen und -Maßnahmen zu widerstehen, aber wir haben noch einen langen Weg vor uns. Ende 2010 wurden im Süden des Sinais nach den tragischen Haiangriffen Hainetze an den Hotelstränden von Herrn Hussein Salem (einem persönlichen Freund Mubaraks) installiert – entgegen allen fachlichen, wissenschaftlichen Empfehlungen des Expertengremiums vor Ort. Dieser Schritt war absurd, wissenschaftlich unbegründet, kurzsichtig und irrational; eine hysterische Reaktion, die versuchte, das kurzfristige Interesse eines einzelnen Mannes auf Kosten verheerender ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Schäden zu begünstigen. Die Interessen von Herrn Salem standen aufgrund seiner persönlichen Freundschaft mit Mubarak über allen Verwaltungsverfahren und Expertenmeinungen. Währenddessen gaben die verantwortlichen Regierungsbeamten seinen Launen bereitwillig nach und fabrizierten haltlose Argumente – ein Ausdruck ihrer jahrelangen Verstrickung in den Sumpf von Korruption und Vetternwirtschaft. HEPCA hat von Anfang an eine klare Position gegen diese ökologisch katastrophalen Konstrukte bezogen, da sie direkte und verheerende Auswirkungen auf das lokale marine Ökosystem haben. Ein Absperrnetz hält alle Meeresbewohner auf und stoppt die Bewegung von Algenfressern und Raubfischen (die für das Ökosystem der Riffe überlebenswichtig sind) in und aus dem abgesperrten Bereich. Zudem werden die Netze bei Südwindlagen im Süd-Sinai höchstwahrscheinlich zu einem verhedderten Chaos aus Nylon, Stahl und verendeten Meereslebewesen, das die Riffe verunstaltet. Ein vorläufiger Bericht fast aller Wissenschaftler, die nach den Angriffen zur Beratung der Behörden hinzugezogen wurden (Marie Levine, Ralph Collier, Mustafa Fouda, Mohamed Salem, Leonard Compagno und Erich Ritter), riet dringend vom Einsatz von Netzen ab; sie beschrieben sie als teuer, wartungsintensiv und warnten davor, dass sie Haie sogar in das Gebiet locken könnten. Die Befürworter dieser Netze verweisen oft auf die Beispiele in Südafrika und Australien. Doch in beiden Ländern formieren sich heftige Kampagnen für die Entfernung dieser Netze. Selbst wenn sie dazu gedacht sind, Haie zu fangen, sind sie völlig unselektiv und fangen zwangsläufig auch andere Arten ähnlicher Größe. In KwaZulu-Natal, Südafrika, verfangen sich nach vorsichtigsten Schätzungen in den insgesamt 23,4 km Netzen jährlich durchschnittlich 591 Haie (andere Schätzungen gehen von über 1.200 aus), von denen 521 durch diese "Sicherheitsnetze" getötet werden, in denen sich zudem jährlich durchschnittlich 43 Delfine und 60 Schildkröten verfangen. Das australische Beispiel unterscheidet sich in Bezug auf unerwünschten Beifang kaum: Nur 2,6 % der in den Netzen gefangenen Tiere werden als potenziell gefährlich für den Menschen eingestuft. Diese Netze sind keine Lösung, sondern eine echte ökologische Bedrohung und eine ungeeignete Initiative: Netze sind keine Barrieren zwischen Schwimmern und Haien. Haie können darüber, darunter und darum herum schwimmen; 40 % der in diesen Netzen gefangenen Haie verfangen sich auf der Innenseite des Netzes! Das Netz muss weg! HEPCA wird weiterhin dafür kämpfen, dieses Netz und alles, wofür es steht, zu beseitigen. Wir werden dies gemeinsam mit den Naturschutzbehörden von Süd-Sinai tun, der ältesten Schutzgebietsverwaltung des Landes, die auf eine lange Geschichte im Schutz der unersetzlichen natürlichen Ressourcen der Region zurückblicken kann. Diese Netze sind ein abscheuliches Verbrechen, das zusammen mit dem korrupten Regime beseitigt werden muss. Wir haben jetzt die Chance, unsere Gemeinschaft und unser Land von den verwerflichen Überresten des Regimes zu säubern, das so viele unserer natürlichen Ressourcen vernichtet und die Prinzipien der Nachhaltigkeit und der sozialen Gerechtigkeit ausgelöscht hat. Wir dürfen nicht aufhören, bis wir die Gemeinschaft von dem Gestank der Korruption befreit haben, der alle Aspekte unseres Lebens so tief durchdrungen hat. Das System muss weg! Das Netz muss weg!