Lächelnde Schildkröten – HEPCA Rote-Meer-Schildkrötenkatalog
In der Ökologie ist es von grundlegender Bedeutung, Individuen innerhalb einer Population identifizieren zu können, da dies realistische Schätzungen der Populationsgröße, der Wachstumsraten und auch der Migrationsmuster liefert. Diese Informationen sind zentral für die Entwicklung von Plänen zum Schutz von Wildtieren und somit elementar für den Erhalt der Arten. Bei Meeresschildkröten ist die am häufigsten verwendete Technik die Flossenmarkierung (Flipper Tagging), bei der ein nummerierter Ring an den hinteren Flossen des Tieres angebracht wird. Diese Methode erfordert in der Regel das Einfangen und die Handhabung des Tieres und hat zudem den Nachteil, dass die Marken durch fehlerhafte Anbringung verloren gehen oder abgebissen werden können. Eine Alternative zur Anbringung von Markierungen an Wildtieren ist die visuelle Identifizierung von Individuen. Dies wird beispielsweise häufig bei Delfinen angewendet, bei denen die Form der Rückenflosse und/oder das Vorhandensein von Markierungen und Narben es Forschern ermöglichen, jedes Individuum zu identifizieren. Diese Technik hat offensichtliche Vorteile: Die Tiere werden nicht physisch eingefangen (sie haben also keinen Stress) und ihr Verhalten wird durch das Identifizierungssystem nicht beeinträchtigt. Die fotografische Identifikation, bei der Forscher diese natürlichen Merkmale fotografisch erfassen, um Individuen zu identifizieren und wiederzuerkennen, hat sich als nützliches Instrument bei der langfristigen Überwachung von Wildtierpopulationen erwiesen. In der Meeresschildkrötenforschung ist diese Methode recht neu, hat sich jedoch bereits als wirksam erwiesen, wenn Meeresschildkrötenpopulationen für Schnorchler und Taucher leicht zugänglich sind. In dem Bemühen, das wissenschaftliche Wissen über die Meeresschildkröten des ägyptischen Roten Meeres zu erweitern und ihren Schutz zu verbessern, hat HEPCA den ersten Katalog dieser Tiere initiiert. Der Katalog ist ein Gemeinschaftsprojekt von HEPCA, Tauchcentern und Besuchern. Derzeit werden Bilder aus verschiedenen Quellen gesammelt. Dieser Katalog verfolgt mehrere Ziele: 1) Bereitstellung einer langfristigen Fotodatenbank, die einmal im Monat aktualisiert wird; 2) Einbindung verschiedener Sektoren in den Schutz von Meeresschildkröten und 3) Nutzung als Instrument zur Sensibilisierung verschiedener Nutzergruppen. Der Katalog umfasst derzeit 21 Individuen, die vom Shark und Yolanda Riff in Sharm El-Sheikh bis nach Wadi Gimal gefunden wurden, und wird in Kürze online auf unserer Website verfügbar sein. Die Anzahl der Wiedersichtungen nimmt stetig zu. HEPCA bedankt sich bei allen Tauchcentern und Besuchern, die mit ihren Bildern zum Katalog beigetragen haben.